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Vielleicht ihre liebste "Rolle!: Marion Kracht kocht leidenschaftlich gerne und entwickelt dabei seit Jahren eigene Rezepte. Bild: Dirk Bartling

„In der Küche bin ich eine Perfektionistin“: Interview mit Marion Kracht

Wir alle kennen sie aus ‚Diese Drombuschs“, ‚Hallo Robbie‘ oder dem ‚Traumschiff‘ – Marion Kracht zählt zu Deutschlands beliebtesten Schauspielerinnen. Was viele nicht wissen: Privat ist die 52-Jährige nicht nur eine leidenschaftliche Köchin, sondern auch eine überzeugte Vegetarierin. Ein Gespräch über fleischlose Kost, ferne Länder und vegane Mode.

Marion Kracht, was kommt bei Ihnen nach einem anstrengenden Drehtag auf den Tisch?

Am liebsten leichte Küche, die aber dennoch sättigend und stärkend ist. Wenn der Tag sehr anstrengend war, setze ich natürlich auf Kohlenhydrate wie Nudeln. Aber ich liebe auch Reis. Der darf dann gerne in Kombination mit etwas Asiatischem sein.

Als Schauspielerin sind Sie viel unterwegs. Ist es – vor allem im Ausland – manchmal immer noch schwer, eine entsprechende Auswahl an vegetarischer Kost zu finden?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte bislang eigentlich nur Probleme in Ländern wie Rumänien und Namibia. Dort konnte ich mich nur sehr einseitig ernähren.

In Ihrem aktuell erschienenen Kochbuch wimmelt es nur so von internationalen Spezialitäten. Was fasziniert Sie an den Küchen dieser Welt?

Ich bin grundsätzlich ein sehr neugieriger Mensch und probiere gerne Neues aus. Dazu gehört natürlich auch die Küche in fremden Ländern. Dort sammle ich immer viele Inspirationen und freue mich jedes Mal aufs Neue über die Vielfalt der Gerichte und Gaumenfreuden. Gerade die asiatische Küche hat es mir sehr angetan, denn da gibt es viele vegetarische Variationen.

Wie kam es dazu, dass Sie eigene Rezepte kreieren?

Das ist ganz einfach: Ich liebe es einfach zu kochen und gut zu essen. Mein erstes Rezept habe ich entwickelt, da war ich acht Jahre alt. Leider gab es das Gericht schon, was mich damals sehr getroffen hat. Das hat mich aber nicht daran gehindert, weiterhin mit viel Spaß und Liebe gutes Essen auf den Tisch zu zaubern. Meine Meisterin war ganz klar meine utter, die mich in die Welt des guten Geschmacks eingeführt hat. Dazu habe ich mich auf meinen vielen privaten und beruflichen Reisen immer wieder inspirieren lassen. So bedarf es oft beispielsweise nur einiger kleiner Veränderungen der Zutaten, um aus einem Gericht, das Fisch oder Fleisch enthält, ein tolles vegetarisches oder sogar veganes zu entwickeln.

Hand aufs Herz: Funktioniert ein neues Rezept bei Ihnen auf Anhieb?

Die meisten Dinge klappen natürlich nicht sofort. Zu einem guten Rezept gehört es, daran so lange zu feilen, bis es perfekt ist. In der Küche bin ich eine echte Perfektionistin, obwohl meine Söhne vor allen Dingen auch meine Improvisations-Küche lieben.

Wann haben Sie sich entschieden, vegetarisch zu leben?

Bei einem Aufenthalt 1989 in Indien habe ich zunächst aus der Not heraus die Entscheidung getroffen, kein Fleisch zu essen, nachdem ich gesehen habe, wie die Inder damit umgehen. In dieser Zeit habe ich die vegetarische Ernährung für mich entdeckt, sie schätzen und lieben gelernt und bin dabei geblieben.

Welche Beweggründe waren für Sie entscheidend?

Damals in Indien war es zunächst in erster Linie der Grund, auf dieser Reise gesund bleiben zu wollen. In der Folgezeit habe ich mich dann aber intensiv mit der vegetarischen Ernährung beschäftigt. Stichworte sind sicherlich die Massentierhaltung und auch die Ausbeutung der Tiere. Ich wollte nicht mehr, dass Tiere für mich sterben. Außerdem, das wissen viele Menschen leider nicht, ist Vegetarismus aktiver Klimaschutz.

Was geht in Ihnen vor, wenn Ihr Tischnachbar sich ein Steak bestellt?

Ich denke: Der Arme (lacht). Nein, Spaß beiseite: Ich verurteile niemanden und bin auch kein Hardcore-Vegetarier, der Menschen bekehren will. Jeder ist seines Glückes Schmied und muss sein Handeln letzten Endes mit seinem Gewissen ausmachen.

Sie setzen sich für ein bewusstes Leben und einen schonenden Umgang mit Ressourcen ein. Was kann jeder von uns tun?

Jeder kann etwas tun – und selbst mit Kleinigkeiten viel bewirken. Beispiel Wasser: Wenn ich mich einseife, schalte ich das Duschwasser ab. Beim Zähneputzen ebenso. Ich trenne Müll. Ich nehme für kurze Wege das Fahrrad und lasse das Auto stehen. Ich gehe bewusst einkaufen: regional, saisonal, wenn möglich bio. Und man sollte sich fragen, ob Fleisch und Fisch wirklich sein müssen und wenn ja, in welchen Mengen. Und auch bei Kosmetik und Kleidung gilt es, einen genauen Blick darauf zu werfen, was in der Einkaufstüte landet: Womit und unter welchen Bedingungen wurde etwas produziert? Ich kaufe mir zum Beispiel lieber ein gutes, biologisch korrekt produziertes T-Shirt, als drei ‚schlechte‘. Viele sagen dann: Das ist doch alles viel teurer. Aber muss ich wirklich 15 verschiedene T-Shirts im Schrank liegen haben? Ich finde: Lieber ein paar ausgewählte Teile, die dafür aber von guter Qualität. Unsere Überflussgesellschaft muss umdenken.

Als Schauspielerin schlüpfen Sie ständig in neue Rollen und haben so ganz automatisch viel mit Mode zu tun. Für „Lana“ haben Sie nun für die kommende Herbst-/Wintersaison eine eigene Kollektion entworfen. Wie ist die Idee für diese vegane Modelinie gereift?

Die meisten Menschen haben zwar ein Bewusstsein für das, was auf ihrem Teller landet, aber nicht für das, was sie auf ihrer Haut tragen. Ich wollte mit meinem Kochbuch und meiner Mode eine Ganzheitlichkeit darstellen. Sozusagen von Kopf bis Fuß. Das ist auch die konsequente Fortsetzung meiner Philosophie, so gesund und ökologisch wertvoll zu leben, wie möglich. Wir haben schließlich sowohl eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die unsere Mode herstellen, als auch gegenüber der Natur. ‚Nachhaltigkeit‘ und ‚organic‘ sind hier wichtige Stichpunkte. Tierisches in Mode muss heutzutage nicht mehr sein. Früher waren Wolle und Leder wichtig zum Überleben. Heute braucht man kein Leder mehr. Und eine dicht gewobene Baumwolle kann genauso warm halten wie Wolle. Und so sind wir auch bei den Farben konsequent geblieben und nutzen nichts von tierischer Herkunft. Das war mir sehr wichtig.

Kochbuch, Modelinie … was hat Marion Kracht als nächstes vor?

Ich bin für alles offen. Es sind schon einige Ideen in der Pipeline, die noch kanalisiert werden müssen. Aber immer eines nach dem anderen.

Interview: Laura Kathrein Müller

 

Beitrag entnommen aus: VF 04-15