Blog

Ein Abstecher ins Land des Ahorns VF0116 shutterstock_316951322 800x600

Ein Abstecher ins Land des Ahorns – Vegetarier auf Reisen in Kanada

Riesige Wälder, Berge, große Seen, mächtige Flüsse, lange Küsten und Strände, aber auch pulsierende Metropolen wie Toronto, Vancouver oder Montreal: Kanada hat seinen Besuchern einiges zu bieten. Und auch als Vegetarier zählt man im Land des Ahorns längst nicht mehr als Exot.

Eine kulinarische Spezialität aus Kanada? Da fällt einem sofort Ahornsirup ein. Schließlich prangt das Blatt des Ahorns sogar auf Kanadas Nationalflagge und das Land ist nicht ohne Grund der weltweit größte Hersteller des süßen Sirups. Und so gibt es auch ziemlich alles in Kanada mit Ahornsirup verfeinert – sogar Deftiges wie gegrillten Schinken oder Bohnen. Das klingt nicht nur gewöhnungsbedürftig, ungeübten Gaumen schmeckt es zunächst auch so. Doch Ahornsirup ist natürlich noch lange nicht alles, was die kanadische Küche zu bieten hat.

Kanada ist ein Einwanderungsland – und das beeinflusst auch die Küchentradition. So findet man authentische asiatische Restaurants genauso wie solche mit afrikanischer, europäischer oder lateinamerikanischer Küche. In der Provinz Québec wird französisch gesprochen. Entsprechend sind die kulinarischen Vorlieben von der französischen Küche geprägt. Die kanadische Küche ist also ziemlich vielfältig. Und Vegetarier stoßen dabei immer mehr auf Verständnis. Bislang sind es zwar nur vier Prozent der Erwachsenen, die sich in Kanada vegetarisch ernähren, doch eine bewusste Ernährung spielt eine immer größere Rolle. „Heute haben die Restaurants viel mehr Optionen anzubieten und sie haben sich darauf eingestellt, die Zutaten auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen“, sagt Lauren Toyota. Zusammen mit John Diemer hat die TV Moderatorin und Produzentin den Blog „Hot for food“ (hotforfoodblog.com) gegründet. Die beiden zählen mittlerweile zu Kanadas populärsten Food Bloggern. Das Besondere: Ihre Rezepte sind ausschließlich vegan.

Vegane Vielfalt in den Städten

„Wir haben viele vegane Restaurants in Toronto, die mittlerweile recht populär geworden sind und nicht nur unter Veganern für Begeisterung sorgen“, berichtet Toyota. Selbst in den großen Einkaufsmalls werden Vegetarier und Veganer fündig. Im Food Court des Eaton Centres, einem vierstöckigen Einkaufszentrum direkt in der Innenstadt, gibt es mit dem „Urban Herbivore“ sogar ein ausschließlich veganes Restaurant. Hier gibt es Salate, Eintöpfe, Suppen, frische Säfte, Sandwiches und auch eine kleine Bäckerei. In Vancouver eröffnete das „The Naam“ bereits lange bevor Vegetarismus „cool“ wurde.

Besonderheit hier: Das Restaurant ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Die Stadt ist übrigens auch für ihre Raw Food-Szene bekannt. Dazu beigetragen haben unter anderem das „Eternal Abundance“ und das „Indigo Food“ – um nur zwei Vertreter zu nennen. Und in Montreal gibt es das vegane Schnellrestaurant „La Panthère Verte“ gleich in dreifacher Ausführung. Hier gibt es Salate, Sandwiches, Smoothies und zahlreiche süße Waren. Kultig: Die Sandwiches werden alle in Pitas serviert und es gibt unterschiedliche Füllungen, unter anderem Falafel, Veggie Burger, BBQ Tofu und Tempeh.

Und wie sieht es in den ländlicheren Regionen des Landes aus? Für Toyota und Diemer ist gerade das ein wichtiger Punkt ihres Blogs. „Ziel unserer Reisen ist es, die besten veganen Restaurants zu finden – gerade in den kleineren Regionen. In Kanada gibt es in jedem Supermarkt im Grunde genommen dasselbe, egal wo man lebt oder gerade unterwegs ist. Das Angebot ist also ausreichend. Uns geht es daher primär darum, was die Menschen daraus machen. Wir möchten sie ermutigen, sich ausgewogener zu ernähren und ihre Einkaufs- und Kochgewohnheiten umzustellen.“

Wunderbare Westküste

Ein spannendes Ziel – nicht nur aus kulinarischen Gründen – für eine Kanadareise ist die Westküste. Sie ist Hochburg der LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“) und dementsprechend stoßen Vegetarier hier auf großes Verständnis. Selbst bei den Takeouts gibt es immer auch vegane Varianten, auch was Süßigkeiten und Kuchen betrifft. Ein besonderer Ort ist Tofino in British Columbia, ein winziges, abgelegenes Örtchen an der Westküste Vancouver Islands. Unberührte Natur, Weite und wenig Menschen – wer von den brodelnden Metropolen des Landes genug hat, kann sich hier zurückziehen und wunderbar entspannen. Hier, wo einige der weltweit letzten intakten Regenwälder der gemäßigten Breiten auf den Pazifik sowie kilometerlange, unberührte Sandstrände treffen, ist die Luft, die man einatmet, frisch und klar.

Das Leben in Tofino wird an der Natur ausgerichtet – das gilt auch für die Esskultur. Die Einheimischen und Gastronomen der Ortschaft legen großen Wert auf lokale Produkte. Wer statt der Küste lieber die Natur im Landesinneren vorzieht, sollte sich die Nationalparks in Jasper und Banff in den kanadischen Rocky Mountains anschauen. Fjorde, wunderschöne Seen und riesige Wälder – besondere Naturschauspiele sind hier zu bewundern.

Für Vegetarier und Veganer lohnt sich ein Besuch im vegetarischen Restaurant „Nourish Bistro“. Wer sich selbst versorgen will, sollte einen „Whole Foods Market“ aufsuchen. Bio-Supermärkte sind an Kanadas Westküste keine Seltenheit. Bewusst sein sollte man sich allerdings: Gutes, gesundes Essen kostet etwas in Kanada. Bio-Produkte sind nicht billig. Aber warum sollte man sich nicht einfach auch mal etwas Gutes gönnen und bewusst genießen? Und Ahornsirup als Mitbringsel nicht vergessen.

 

Interview: „Es gibt genügend vegetarische Optionen“

Ella Grigorovici ist in der Reise- und Tourismus-Branche tätig und betreut Kunden an Kanadas Westküste. Im Interview verrät sie, was Vegetarier in Kanada erwartet.

Ella Grigorovici, wie einfach oder schwierig ist es, als Vegetarier in Kanada zu reisen?

Insbesondere in Großstädten wie Toronto oder Vancouver gibt es genügend vegetarische Optionen, sowohl was Lokale als auch Supermärkte anbelangt. Bioläden wie „Whole Foods“ sind ein Schlaraffenland: Hier können sich Reisende nicht nur mit entsprechenden Lebensmitteln, sondern auch mit warmen Gerichten und frischen Salaten zum Mitnehmen eindecken.

Welche Speisen mögen die Kanadier?

Die kanadische Küche ähnelt der amerikanischen, deren Vorliebe für Burger, Pommes Frites – oft auch in der wertvolleren Süßkartoffel-Variante als „Yam Fries“ – und üppigen Süßspeisen wie Pies oder Muffins bekannt ist. Wobei, jede Provinz weist Besonderheiten auf: Québec etwa ist berühmt für seine „Montreal Bagels” und die „Poutine”, das sind mit topfenartigem Käse und Bratensauce übergossene Pommes Frites. Auch hiervon werden inzwischen vegetarische Versionen angeboten. In British Columbia findet sich ein riesiges Angebot an asiatischen Lokalen, was sicherlich auf die hohe Anzahl asiatisch-stämmiger Kanadier zurückzuführen ist.

Gibt es etwas, auf das Sie sich besonders freuen, wenn Sie an der Westküste sind?

Als Erstes stelle ich mich in der Schlange des „Tacofino Trucks” an, wo die feinsten Tacos und Burritos im Stil der BajaCalifornia locken – die gibt es übrigens auch in veganer Ausführung mit schwarzen Bohnen und Guacamole. Zum Nachtisch pilgere ich ins „SoBo“. Ehemals ein Food Truck, ist es heute ein gemütliches Restaurant inmitten von Tofino. Die üppigen Mandel-Brownies und veganen Cookies sind sagenhaft. Der beste Ausblick auf den Strand Chesterman Beach und seine Surfer lässt sich vom „Wickaninnish Inn” aus genießen.

Text und Interview: Christine Eisenbeis

Entnommen aus: VF 01-16