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Vegetarisches Wandervergnügen in Österreich

Vegetarisches Wandervergnügen in Österreich

Vegetarier und Veganer haben es auf Reisen vielerorts immer noch schwer. In Österreich können Wanderliebhaber jetzt traumhafte Tage verbringen – auf Wunsch sogar mit dem eigenen Hund.

Loona bellt – es sind nicht so schrille und bestimmte Laute, wie sie sie bei ihren Jagdeinsätzen im Wald von sich gibt. Der kleine Gebirgsschweißhund klingt fast vergnügt, hüpft in der Gegend herum und scheint es kaum abwarten zu können, bis es endlich losgeht. Knapp sechs Autostunden liegen hinter der achtjährigen Hündin und ihrem Frauchen Janine. Das Ziel: Obernberg. Die kleine Gemeinde in Tirol ist für die beiden der Ausgangspunkt einer ganz besonderen Reise. Und das nicht nur, weil sich im Entdeckungsgebiet des Dolomit-Gesteins unzählige Wanderrouten erschließen. Loona und Janine sind Teilnehmer der Veggie DogDays. Dieser, eigens für Vegetarier oder Veganer angebotene, Wochenendtrip bietet Wander-Begeisterten und ihren vierbeinigen Lieblingen ein unvergessliches Natur-Erlebnis und Schlemmer-Wochenende, das perfekt auf die Wünsche und Ansprüche von Veggies mit Hund eingestellt ist.

Denn, obwohl vegetarische und vegane Lebensweisen heutzutage sehr verbreitet sind, haben es Veggies unterwegs nicht immer leicht, kulinarisch auf ihre Kosten zu kommen. „Wir haben es selbst oft erlebt, wie schwierig es ist, in den Bergen unterwegs zu sein und dort ein vegetarisches oder sogar veganes Essen zu bekommen“, erzählt Gerold Wirnitzer. Ein Missstand, der den Bergwanderführer, selbst Veganer und bis vor einiger Zeit in der IT-Branche tätig, auf die Idee brachte, Touren für Gleichgesinnte anzubieten. „Wir möchten Vegetariern, Veganern und solchen Wanderern, die es werden wollen, die Möglichkeit geben, ein entspanntes Wander-Wochenende zu verbringen“, erklärt der 43-Jährige. Und eben ein Wochenende ohne einfallslose und öde Beilagen-Teller, sondern eines mit einer Vielzahl an fleischlosen Köstlichkeiten – sei es im Hotel oder unterwegs in den Bergen.

Da der Österreicher und seine Frau Katharina selbst mehrere Hunde besitzen, lag es nahe, neben den gängigen Wandertouren auch solche für Tierliebhaber anzubieten. Die Resonanz gibt den beiden Recht. Kaum angeboten, waren alle Plätze ausgebucht. Neben Loona und Janine sind weitere zehn Teilnehmer und zwölf Hunde angereist. Das erste Kennenlernen von Zwei- und Vierbeinern auf der großen Wiese vor dem Hotel verläuft reibungslos. Es wird viel erzählt und geschnuppert. Die Stimmung ist ausgelassen, die Vorfreude steigt.

Rauf auf den Berg

Gestärkt vom großzügigen veganen Frühstücksbuffet, treffen sich alle am nächsten Morgen pünktlich um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und das Thermometer zeigt 18 Grad, als sich die Gruppe mit dem erfahrenen Bergwanderführer an der Spitze auf den Weg macht. Vom Hotel aus schlängelt sich der Weg einen ersten Hügel hinauf. Rechts spiegelt sich die aufgehende Sonne in den kleinen Pfützen, die der leichte Regen am Vorabend hinterlassen hat. Links erheben sich majestätisch anmutende Bergketten. Die Blätter rauschen im Wind, Vögel zwitschern und in der Ferne plätschert ein kleiner Fluss. Die Hunde huschen trittsicher über kleine Wurzeln und auf dem Boden liegende Äste. So auch Loona, die ein eifriges Tempo vorlegt.

Unter Leistungsdruck steht hier aber niemand. „Wir planen die Touren so, dass sie für alle leicht zu bewältigen sind“, erklärt Gerold Wirnitzer während er seine Schritte ein wenig drosselt. „Das Gelände hier ist so vielseitig, da ist für jedes Leistungsniveau eine entsprechende Route mit unvergesslichen Eindrücken zu finden.“ Und er hat es noch nicht ausgesprochen, da eröffnet sich den Wanderern hinter einer Kurve ein imposanter Blick über unfassbar große Almwiesen, übersät von Enzianen und Krokussen. Janine stoppt und zückt den Fotoapparat, als gerade ein paar Einheimische den Weg kreuzen. Ein freundliches „Griaß di“ später ist das Bild der imposanten Kulisse aber im Kasten.

Picknick mit Alpenpanorama

Kurz darauf ist Zeit für die Jause. Auf einer großen Picknickdecke wird alles ausgebreitet, was das (Veganer)Herz begehrt. Deftige Kleinigkeiten aus Tofu und Gemüse reihen sich an verschiedene Salate und vegane Käse-Sticks. Während Janine beherzt zugreift, darf auch Loona sich einige Leckereien aus ihrem Hunde-Lunchpaket schmecken lassen. Und danach heißt es: Beine ausstrecken und die Aussicht genießen. Der Blick hinunter ins Tal ist einmalig, wenn auch ein wenig duster. Inzwischen haben sich immer mehr Wolken vor die Sonne
geschoben. Die schneebedeckten Gipfel der Alpen sind nur noch schemenhaft im Dunst zu erkennen. Die kühle Brise aber tut gut und verschafft eine willkommene Abkühlung auf dem Weg zurück ins Tal, bei dem alle noch einmal die Blicke auf die schroffen Bergpanoramen, fruchtbaren Flusstäler und urigen Bergdörfer auf sich wirken lassen.

Interessante Vorträge

Am Abend nutzt Janine die Möglichkeit, dem von Katharina Wirnitzer angebotenen Vortrag zu lauschen. Die promovierte Sportwissenschaftlerin, die als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Tirol tätig ist und laufend wissenschaftliche Publikationen über vegane Ernährung im Sport veröffentlicht, zeigt den Teilnehmern wichtige Aspekte der vegetarisch-veganen Ernährung auf und gibt hilfreiche Tipps für den Alltag. Und auch dabeiwerden die Vierbeiner miteinbezogen. Wer möchte, kann veganes Hundefutter testen, das Gerold und Katharina ihren eigenen Vierbeinern mit guten Erfahrungen seit Jahren bereitstellen. Eine weitere Nacht und ausgiebige Wanderung später, geht das erlebnisreiche Wochenende für Loona und Janine zu Ende. Beim Abschied sagt die junge Deutsche, dass sie wiederkommen wird. Und Loona bellt – fast so, als würde sie zustimmen.

Laura Kathrein Müller

Beitrag entnommen aus: VF 03-14