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Vom Feld ins Fairnessregal – Fairtrade-Kaffee

shutterstock_134733380 800x60028.935 Tassen Kaffee werden
weltweit pro Sekunde getrunken.
Das sind rund 912 Milliarden
Tassen pro Jahr

 

Wer heute bewusst einkauft, findet immer mehr Produkte mit dem Fairtrade-Siegel. So ist auch fair gehandelter Kaffee in vielen Bioläden und Supermärkten ein fester Bestandteil des Sortiments.

Kaffee hat viele Gesichter. Es gibt die Tasse schwarzen Filterkaffee, die mit einem Schuss Kaffee oder Espresso verfeinerte geschäumte Milch oder auch Klassiker wie den Cappuccino. In welcher Form auch immer, Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Durchschnittlich trinkt jeder von uns 150 Liter Kaffee pro Jahr, das sind zweieinhalb Tassen am Tag. Damit ist der schwarze Trunk unser liebstes Getränk – noch vor Wasser und Bier. Aber wo der Kaffee herkommt, der mit seinem wohlriechenden Duft ganze Räume füllt, wissen die Wenigsten. Dabei ist der schwarze Trunk nach Erdöl die meistgehandelte Ware der Welt.

Während die Länder der Europäischen Union fast die Hälfte derWeltkaffee-Exportmenge aufkaufen und somit eine tragende Rolle im internationalen Kaffeehandel spielen, sind die meisten Bauernfamilien, die von der Kaffeeproduktion leben, in Entwicklungsländern zu Hause. Denn Kaffee kann nur in bestimmten Regionen gedeihen, er stellt hohe Ansprüche an Boden und Klima: Frost, Wind, Trockenheit oder zu viel Regen bedeuten große Risiken für sein Gedeihen. Der Kaffeemarkt ist hart umkämpft und Brasilien der größte Produzent der Welt: Mehr als ein Viertel aller weltweit exportierten Kaffeebohnen stammen aus dem südamerikanischen Land. Mit Abstand folgen Kolumbien, dann Indonesien, Mexiko, die Elfenbeinküste, Äthiopien, Indien und Guatemala. Dort entscheiden der Anbau von Kaffee und sein Preis auf dem Weltmarkt über Wohl und Wehe ganzer Staaten und ihrer Bevölkerung.

Viel Arbeit, wenig Lohn

Für einen Großteil der über 25 Millionen Kleinbauern ist der Kaffee ein sehr arbeitsintensives Produkt, das viel Aufmerksamkeit erfordert, aber nur sehr wenig Gewinne einbringt. Durch schwankende Kaffeepreise haben es kleine Kooperativen schwer, ihren Arbeitern existenzsichernde Löhne zu zahlen. Aber das ist nicht alles. Oft müssen die Kaffeepflücker unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften, nicht selten werden sogar die Kinder aus der Schule genommen, um bei der Ernte zu helfen. Missstände, an denen die Fairtade-Organisationen ansetzen. Wer sich für einen fair gehandelten Kaffee entscheidet, unterstützt eine revolutionäre Mission zur Armutsbekämpfung. So steht das international normierte Fairtrade-Siegel, das seit 2003 in den meisten Ländern vereinheitlicht ist, für einen garantierten Mindestpreis, der die Zahlung existenzsichernder Lohn ermöglicht – ganz unabhängig von den Weltmarktpreisen.

Zusätzlich bekommen die Produzenten eine Prämie ausgezahlt, die sozialen Projekten zu Gute kommt. Und auch die Arbeitsbedingungen werden kontrolliert: Es wird auf die Einhaltung der Arbeitszeiten, bezahlten Urlaub, soziale Vorsorgen und einen weitestgehenden Verzicht auf Pestizide geachtet. Darüber hinaus können die Bauern schon vor der Lieferung ihrer Erzeugnisse eine Vorfinanzierung erhalten. Geld, das sie für die Bewirtschaftung ihrer Felder einsetzen und mit dem sie ihre Ausgaben während der Kaffeeproduktion bestreiten können.

Sozialer Aufschwung

Der Anteil an fair gehandeltem Kaffee beträgt in Deutschland zwar nur etwas mehr als zwei Prozent. Doch für die  Produzenten vor Ort hat der faire Handel schon viel verändert. Inzwischen können positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung in den Anbaugebieten verzeichnet werden. So konnte in vielen Gebieten bisher schon der Bau von Trinkbrunnen und Schulen, die Umstellung auf Bio-Anbau, ausreichende Bildungsangebote und eine bessere medizinische Versorgung realisiert werden. Positive Maßnahmen, die wir beim nächsten Griff ins Kaffeeregal im Hinterkopf haben sollten. Denn dann schmeckt das Gebräu – in welcher Form auch immer – doppelt gut.

 

shutterstock_236003338 800x600 DIE FRÜCHTE DER KAFFEEPFLANZE
verändern im Reifeprozess ihre
Farbe von grün über gelb zu rot – erst
dann sind sie reif für die Ernte
shutterstock_91276328 800x600KAFFEE IM ROHZUSTAND:
Die uns vertraute rotbraune bis schwarze
Farbe ist noch nicht zu erkennen – sie entsteht
erst bei der Röstung

 

Laura Kathrein Müller
Beitrag entnommen aus: VF 03-14