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Amaranth

Eiweiß-Power durch Amaranth

Amaranth ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Ursprünglich stammt das Pseudogetreide aus Südamerika. Dank seines hohen Eiweiß- und Mineraliengehalts gehört es zu den neuen Lieblingen der Küche.

Amaranth – ein Name der geradezu mystisch anmutet, etwas orientalisch vielleicht, wertvoll in jedem Fall, ähnlich einem Diamanten. Das Wort „Amaranth“ stammt aus der griechischen Sprache. Übersetzt bedeutet es etwa so viel wie: „die, die nicht vergeht“. Heruntergebrochen auf die deutsche Sprache und die wissenschaftliche Bedeutung, hört sich das Ganze schon weit weniger romantisch an: Pseudogetreide, so die rein sachliche Definition. Klingt gleich weniger sexy, oder? Ein Getreide, das kein Getreide ist, wie geht das? Nun, das wunderbar blühende Amaranth zählt, ähnlich wie das momentan sehr populäre Quinoa, zu den sogenannten Fuchsschwanzgewächsen. Ebenso zählt Amaranth zu den ältesten Kulturplanzen. Seine Kultivierung erfuhr das Pseudogetreide zuerst in Mexiko, von dort verbreitete es sich in den Anden und später fast über den gesamten Erdball. Die glutenfreie Pflanze beinhaltet viel Eiweiße und zudem viele Mineralien. So kann Amaranth den „echten“ Getreidesorten in Sachen Eiweißgehalt deutlich den Rang ablaufen, es übertrifft sogar die Sojasprosse. Doch damit nicht genug. Die Proteine bestehen zu einem hohen Anteil aus essenziellen Aminosäuren, der Gehalt an Calcium, Magnesium, Eisen und Zink ist sehr hoch. Vor allem wegen seines hohen Eisengehalts wird Amaranth besonders für Schwangere empfohlen. Ein relativ hoher Anteil der Kohlenhydrate sind Ballaststoffe, zudem enthält es viele ungesättigte Fettsäuren und ist darüber hinaus auch noch cholesterinfrei. Na, bitte. Es gibt also genug gute Gründe, um sich mit diesem Fuchsschwanzgewächs, das in den Anden bereits seit mehreren Tausend Jahren beliebt ist, näher zu befassen – und es als Alternative zu den uns bereits bekannten Getreideformen in den Ernährungsplan miteinzubeziehen. Schließlich schätzten bereits Azteken, Inka und Maya die getreideähnlichen Amaranth-Körner, neben Quinoa und Mais, als Hauptnahrungsmittel.

Comeback der Kulturpflanze

Damals wie heute gab es Ernährungstrends. Wenn man dies denn in Bezug auf die frühe Zeitrechnung so begreifen darf. Viele Trends kommen und gehen, manche bleiben konstant bestehen. Amaranth verschwand im Laufe der Zeit, wie so viele Kulturpflanzen, aus dem kollektiven Gedächtnis der täglichen Nahrungsmittel. Erst in den letzten Jahren feiert diese Traditionspflanze eine Art Renaissance. Doch warum verschwand Amaranth für so lange Zeit von der Speisekarte? Nun, das hat wohl mit der religiösen Bedeutung des Pseudogetreides zu tun: Es kam unter anderem in den rituellen Handlungen zu Ehren des Aztekengottes Huitzilopochtli zum Einsatz. Nach der Eroberung des Aztekenreichs verboten die Spanier im 16. Jahrhundert den Anbau von Amaranth unter Androhung der Todesstrafe. Mit dem Verbot wollten die Spanier den Azteken ihre religiöse Grundlage entziehen sowie deren Gemeinschaftsgefühl zerstören. Nach Aufhebung des Verbots blieb der Nutzen der Pflanze für Jahrhunderte fast völlig vergessen. Eine fast schon tragische Pflanzen-Geschichte, die nun ihre Wiedergeburt erlebt.

Geschmackliche Vielfalt

Amaranth ist geschmacklich besonders. Die Blätter riechen beispielsweise, wenn man sie zerreibt, deutlich nach Spinat. Die Samen und Blüten schmecken hingegen nussig. Die Keimlinge der Pflanze sind ebenfalls essbar. Die Pfahlwurzel schmeckt süßlich und nach Rote Bete oder Runkelrübe. Sie ist jedoch meist verholzt und muss daher zum Beispiel kleingerieben werden, um verwendet werden zu können. Doch die Kulturpflanze genießt auch in anderen Bereichen der Nahrungsmittel-Industrie einen ausgezeichneten Ruf. So findet Amaranth heute in der Baby- und Kindernahrung Verwendung, als Zumischung in Brot, Gebäck und Müsli, in Eierkuchen und Pasta, Wurstwaren sowie im Fast-Food-Bereich bei Riegeln und Snacks, Verwendung. Es gibt sogar Versuche zur Herstellung von Getränken auf Basis von Amaranth, unter anderem beim Brauen von glutenfreiem Bier. In diesem Sinne, lassen Sie sich doch einmal von den vielfältigen Möglichkeiten des Power-Korns überzeugen.

Text: Ralf Kerkeling

Entnommen aus vegetarisch fit Ausgabe 04/2019