Tag : Vegetarisch

Vegetarische Almhütte

Die Zeit war reif

Schweinsbraten, Leberkäs und Wurstplatte: Bayerische Hüttengerichte sind meist deftig – und fleischlastig. Nicht so auf der Hündeleskopfhütte bei Nesselwang im Allgäu. Hier kocht Silvia Beyer als erste Hüttenwirtin der Alpen rein vegetarisch – und das mit Geschmack und Erfolg.

Endlich wieder fließendes Wasser“, jubelt Silvia Beyer, während sie mehrere schwere Gemüsekisten aus dem Fahrzeug hievt. „War das ein Drama in den vergangenen drei Wochen: alle Leitungen eingefroren! An Kochen war gar nicht zu denken.“ Stattdessen karrte die patente Wirtin täglich bis zu 300 Liter Wasser aus dem Tal hinauf, damit wenigstens die Toiletten funktionierten – die Toiletten der ersten rein vegetarischen Hütte der Alpen. „Zumindest habe ich bislang noch kein Echo aus den Bergen vernommen, dass es noch eine weitere gäbe“,bemerkt Silvia schmunzelnd. Das kulinarische Leuchtturmprojekt steht auf 1.180 Metern Höhe inmitten der Allgäuer Alpen.

Bei klarem Wetter kann man von der Hündeleskopfhütte aus bis zur Zugspitze sehen – und seit dem 20. Mai 2015 genießt man hier ganzjährig „rein vegetarische Allgäuer Heimatküche mit frischen Bio-Lebensmitteln“, wie Silvia Beyer betont. Die Wirtin selbst ist familiär vorbelastet. Schon Ende der 50er Jahre führte ihre Oma Buck eine Pension, in der nach dem skandinavischen Ernährungsreformer Are Waerland nur gesunde und einfache Gerichte auf den Tisch kamen. Das hieß: kein Fleisch, kein Fisch, kein Zucker und kein Weißmehl. „Mit dieser Kost bekam meine Oma ihre zahlreichen Erkrankungen in den Griff.“

Als Enkelin Silvia, die auf einem Bauernhof in Nesselwang aufwuchs, dann mit zwölf Jahren von Mutter Traudl erfuhr, was mit den liebevoll aufgezogenen Kälbern passiert, wurde auch Silvia, genannt Silli, zur Vegetarierin. Und ist es bis heute geblieben. Sie machte eine Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin, arbeitete auf einem Demeter- hof, von dem sie heute ihre Kartoffeln, gelben Rüben und das Dinkelkorn für den Sonntagszopf bezieht, und packte auf einer Ranch in Idaho mit an. Als dann ein neuer Pächter für die Hündeleskopfhütte gesucht wurde, ergriff sie die Chance, ihren Traum von der eigenen Hütte zu verwirklichen. Gegen 60 Mitbewerber musste sie sich durchsetzen. Im „Casting“ fragte die Gemeinde: „Was wollen Sie denn so kochen?“

Silvia antwortete: „Na ja, Kässpatzen, Krautkrapfen, Kaiserschmarrn …“ Die Gemeindevertreterin hakte ein: „Ach großartig, aber mit Rosinen, oder?“ „Ich kann die Schmarrn mit Rosinen oder ohne anbieten, je nach Wunsch.“ Damit war das Thema Essen erledigt. Silvia lacht. „Im Nachhinein würde mich ja mal interessieren, ob ich den Zuschlag auch bekommen hätte, wenn der Gemeinde klar gewesen wäre, dass ich ein rein vegetarisches Konzept habe.“

SKEPSIS WEICHT BEGEISTERUNG

Also Butter bei die Fische: Im Land von Eisbein, Schweinshaxn, Kesselfleisch und Weißwürsten, kann da eine vegetarische Hütte funktionieren? „Ich hatte bisher einen einzigen Gast, ein alter Grantler, der meinte: Nur wegen Grünzeug kommen die Leute doch nicht auf den Berg!“, gibt Silvia zu. „Aber ansonsten: Nur positive Rückmeldungen. Ich glaube, die Zeit war einfach reif. Heutzutage ernähren sich immer mehr Menschen bewusst. Viele vegetarisch oder sogar vegan, und die freuen sich, dass sie auch auf dem Berg ein Angebot finden.“ Spricht da das Wunschdenken aus der Wirtin? Verklärt sie die Situation? Will sie am Ende vielleicht nicht wahrhaben, dass der gestandene Wanderer eine gestandene Brotzeit mit Würschtl will?

Zeit für eine Art Feldforschung. Es ist ein erster schöner Frühlingsabend im April. Die gemütliche Hüttenstube mit dem gemauerten Kamin ist gut besetzt. Auch die Mitglieder des Stammtischs haben sich bereits eingefunden. Einmal die Woche treffen sie sich auf unterschiedlichen Hütten – den ersten Mittwoch im Monat sind sie bei Silvia Beyer. Alle kommen sie aus Nesselwang. Der Robert ist darunter, und die Inge. Wie war denn die Reaktion, als sie hörten, dass die Hündeleskopfhütte neuerdings nur noch Vegetarisches auftischt? Inge grinst: „Vor allem bei den Männern war die Skepsis groß – die sagten: Wir wollen uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu essen haben. Wir gehen woanders hin!“ „Aber“, schaltet sich Robert ein, „unser Vorsitzender hat das Thema entschieden, indem er sagte: Oamoi im Monod konn ma scho Kässpatzen essen.“

Die Runde lacht und versichert danach, dass die Küche wirklich toll sei. Vor allem die Salate seien ein Traum. „Und die Zucchini-Lasagne ist der Hit“, ruft eine Frau vom Nachbartisch herüber. Erika Appelt und ihr Mann Andreas wohnen ein paar Monate im Jahr im allgäuischen Pfronten, den Rest verbringen sie in Dubai, weil Andreas dort als Or- thopäde arbeitet. Bevor es am nächsten Tag wieder mit dem Flieger in die Emirate geht, musste das Ehepaar unbedingt noch mal zur Hündeleskopfhütte. Jetzt sitzt Erika vor einem bunten Vega-Teller (Dinkelbrot mit verschiedenen veganen Aufstrichen und allerlei Gemüse) und Andreas vor einem verführerisch duftenden Kaiserschmarrn. „Der muss jetzt drei Monate vorhalten“, meint der Arzt lachend. „Davon zehre ich!“

VON PAKISTAN IN DIE ALPEN

Die vegetarische Allgäuer Hüttenwelt scheint also tatsächlich in Ordnung zu sein. Und eine schöne Integrationsgeschichte schreibt sie auch noch. „Das hier ist mein Azubi Ali“, sagt Wirtin Silvia stolz und schubst einen jungen Mann mit dunklen Augen und pechschwarzem Haar von der Küche in den Gastraum. Ali grinst ein wenig verlegen, erzählt aber bereitwillig und in nahezu fehlerfreiem Deutsch, dass er vor drei Jahren aus Pakistan über die Türkei nach Bayern gekommen sei. Bei Silvia Beyer macht er eine Ausbildung zur „Fachkraft im Gastronomiegewerbe“ und kocht die vegetarischen Hüttengerichte wie Linsensuppe, Krautkrapfen, Brennnesselknöde oder Bärlauchspaghetti mittlerweile perfekt. Auch wenn sich das Essen von seiner Heimatküche ganz schön unterscheidet. „Das erste Mal war ich als Gast auf der Hütte“, erzählt er. „Ein anderer Flüchtling hatte mir geraten, Kässpatzen zu bestellen, weil das einfach Nudeln seien und ich damit nichts falsch machen könne. Ich mag aber gar keinen Käse. Es war mir furchtbar peinlich, weil ich den ganzen Teller habe zurückgehen lassen.“ Also, so was passiert auf der Hündeleskopfhütte sonst nie.

Artikel entnommen aus vegetarisch fit Ausgabe 6/2018

Autorin: Alexa Christ

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Panierte & gefüllte Spitzpaprika

Zutaten FÜR 3 4 PERSONEN

FÜR DIE PANADE

1 TL Basis-Würzpaste 80 g Kichererbsenmehl

FÜR DIE FÜLLUNG

500 g mehligkochende Kartoffeln (geschält) Salz 4 EL Rapsöl 150 g Zwiebeln (abgezogen und fein gewürfelt) 1 TL Kreuzkümmelsamen 1 TL gemahlene Kurkuma 1 TL Ingwer (geschält und sehr fein gewürfelt) 1 TL Meersalz 1 EL feine Misopaste oder Hefeflocken 50 g eingelegte mittelscharfe Peperoni, in Streifen geschnitten 100 g TK-Erbsen 1 TL schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

AUSSERDEM

mittelgroße rote Spitzpaprika 50 g weißes Cashewmus 1 El weißer Balsamico-Essig 1 kleine Knoblauchzehe (abgezogen) 3 EL Olivenöl natürliches Salz schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen 100 g Reis- oder anderes Mehl 100 g Semmelbrösel 1 l Öl zum Frittieren

ZUBEREITUNG

1. Für die Panade die Basis-Würzpaste mit 180 Milliliter Wasser verrühren und mit dem Kichererbsenmehl zu einem glatten Teig mixen. Ruhen lassen.

2. Für die Füllung Kartoffeln in gut gesalzenem Wasser etwa 25 Minuten weich kochen. Abgießen und durch eine Presse drücken. Eine beschichtete Pfanne erhitzen und das Öl hinein- geben. Zwiebelwürfel, Kreuzkümmel, Kurkuma und Ingwer darin 1 bis 2 Minuten kräftig anbraten, bis deutlich Röstfarbe zu sehen ist. Wenn der Röstan- satz am Boden zu schnell dunkel wird, mit einem Schluck Wasser ablöschen. Röstaromem lösen und weiter bei maximaler Hitze anbraten. Zum Schluss mit Meersalz, Misopaste und Peperoni würzen, TK-Erbsen dazugeben und alles vorsichtig mit der Kartoffelmasse vermengen. Mit Pfeffer abschmecken.

3. Die Spitzpaprika am Strunk abschneiden und entkernen, sodass die Hülle ganz bleibt. Bei 220 °C im Ofen rösten. Häuten und auskühlen lassen. 2 Spitzpaprika für die Soße beiseitelegen. Die restlichen mit dem Kartoffelteig füllen. Die Öffnung etwas zusammendrücken, sodass diese etwas flacher ist und zusammenklebt.

4. Für die Soße die beiden gerösteten und gehäuteten Spitzpaprika mit Cashewmus, Essig, Knoblauch und Olivenöl im Mixer glatt pürieren. Mit Salz, Essig und Pfeffer abschmecken. Eine Panierstraße aufbauen: eine Schüssel mit Mehl, eine Schüssel mit Panade und eine Schüssel mit Semmelbröseln. Die gefüllte Paprika zuerst mit Mehl bestäuben, dann durch die Panade ziehen und schließlich vorsichtig in den Semmelbröseln wenden und diese leicht andrücken. Wichtig: Gerade an der Öffnung muss genau gearbeitet werden, damit sie nicht aufplatzt. Um sicherzugehen, kann man sie auch mit einem Zahnstocher fixieren. Die Schoten auf ein Brett legen.

5. Das Öl zum Frittieren in einen kleinen Topf erhitzen, bis an einem hineingehaltenen Holzlöffel gleichmäßig kräftig Blasen aufsteigen. Die Paprikaschoten im heißen Fett etwa 4 Minuten goldbraun und knusprig frittieren. Erst eine Testpaprika frittieren, um zu sehen, ob sie hält. Hält sie nicht, doppelt panieren. Paprika etwas abkühlen lassen und mit der Soße und nach Belieben mit einem großen Salat genießen.

Zeit: ca. 40 Min.
Pro Stück: ca. 2800 kcal, 37 g EW, 1122 g F, 156 g KH

Rezept entnommen aus vegetarisch fit 4/2018

Süßkartoffeln

Gefüllte Süßkartoffeln mit Spinat und Feta

Gefüllte Süßkartoffeln mit Spinat und Feta

Für 4 Personen

4 Süßkartoffeln à etwa 300 g, 4 EL Olivenöl, 350 g junger Spinat, 1 Knoblauchzehe, 3 Lauchzwiebeln, 100 g Feta, 1 Granatapfel (klein), 2 EL gehackte Walnüsse, 3 Zweige Minze, Salz, Pfeffer; außerdem Backpapier und Küchengarn

1. Den Backofen auf 200 °C (Umluft 180 °C, Gas Stufe 4) vorheizen. Süßkartoffeln gründlich säubern. Aus Backpapier 4 Bögen zuschneiden. Kartoffeln mit 2 Esslöffeln Olivenöl bestreichen und mit Salz und Pfeffer würzen.

2. Jede Kartoffel in einen Bogen Backpapier wickeln und mit Küchengarn zusammenbinden. Im Ofen für etwa 40 Minuten backen.

3. Inzwischen den Spinat abwaschen und abtropfen lassen. Knoblauch schälen und fein hacken. 1 Esslöffel Öl in einem Topf erhitzen, Knoblauch etwa 2 Minuten darin anbraten. Spinat dazugeben und zusammenfallen lassen. Vom Herd nehmen und mit Salz und Pfeffer würzen. Lauchzwiebeln putzen, abspülen, in dünne Ringe schneiden und unterheben.

4. Den Feta abtropfen lassen und grob zerbröseln. Den Granatapfel halbieren und die Kerne herauslösen. Walnüsse grob hacken. Minze abspülen, trocken schütteln und die Blätter von den Stielen zupfen.

5. Kartoffeln aus dem Backpapier nehmen, längs einschneiden, in eine ofenfeste Form legen und mit Spinat und Feta befüllen. Für etwa 3 bis 5 Minuten überbacken. 6. Vor dem Servieren mit Granatapfelkernen, Walnusskernen und Minze bestreuen.

Zeit: ca. 20 Min. + 45 Min. Backzeit Pro Portion: ca. 620 kcal, 11 g EW, 25 g F, 82 g KH

Entnommen aus Heft 04/2018

Ein Abstecher ins Land des Ahorns VF0116 shutterstock_316951322 800x600

Ein Abstecher ins Land des Ahorns – Vegetarier auf Reisen in Kanada

Riesige Wälder, Berge, große Seen, mächtige Flüsse, lange Küsten und Strände, aber auch pulsierende Metropolen wie Toronto, Vancouver oder Montreal: Kanada hat seinen Besuchern einiges zu bieten. Und auch als Vegetarier zählt man im Land des Ahorns längst nicht mehr als Exot.

Eine kulinarische Spezialität aus Kanada? Da fällt einem sofort Ahornsirup ein. Schließlich prangt das Blatt des Ahorns sogar auf Kanadas Nationalflagge und das Land ist nicht ohne Grund der weltweit größte Hersteller des süßen Sirups. Und so gibt es auch ziemlich alles in Kanada mit Ahornsirup verfeinert – sogar Deftiges wie gegrillten Schinken oder Bohnen. Das klingt nicht nur gewöhnungsbedürftig, ungeübten Gaumen schmeckt es zunächst auch so. Doch Ahornsirup ist natürlich noch lange nicht alles, was die kanadische Küche zu bieten hat.

Kanada ist ein Einwanderungsland – und das beeinflusst auch die Küchentradition. So findet man authentische asiatische Restaurants genauso wie solche mit afrikanischer, europäischer oder lateinamerikanischer Küche. In der Provinz Québec wird französisch gesprochen. Entsprechend sind die kulinarischen Vorlieben von der französischen Küche geprägt. Die kanadische Küche ist also ziemlich vielfältig. Und Vegetarier stoßen dabei immer mehr auf Verständnis. Bislang sind es zwar nur vier Prozent der Erwachsenen, die sich in Kanada vegetarisch ernähren, doch eine bewusste Ernährung spielt eine immer größere Rolle. „Heute haben die Restaurants viel mehr Optionen anzubieten und sie haben sich darauf eingestellt, die Zutaten auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen“, sagt Lauren Toyota. Zusammen mit John Diemer hat die TV Moderatorin und Produzentin den Blog „Hot for food“ (hotforfoodblog.com) gegründet. Die beiden zählen mittlerweile zu Kanadas populärsten Food Bloggern. Das Besondere: Ihre Rezepte sind ausschließlich vegan.

Vegane Vielfalt in den Städten

„Wir haben viele vegane Restaurants in Toronto, die mittlerweile recht populär geworden sind und nicht nur unter Veganern für Begeisterung sorgen“, berichtet Toyota. Selbst in den großen Einkaufsmalls werden Vegetarier und Veganer fündig. Im Food Court des Eaton Centres, einem vierstöckigen Einkaufszentrum direkt in der Innenstadt, gibt es mit dem „Urban Herbivore“ sogar ein ausschließlich veganes Restaurant. Hier gibt es Salate, Eintöpfe, Suppen, frische Säfte, Sandwiches und auch eine kleine Bäckerei. In Vancouver eröffnete das „The Naam“ bereits lange bevor Vegetarismus „cool“ wurde.

Besonderheit hier: Das Restaurant ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Die Stadt ist übrigens auch für ihre Raw Food-Szene bekannt. Dazu beigetragen haben unter anderem das „Eternal Abundance“ und das „Indigo Food“ – um nur zwei Vertreter zu nennen. Und in Montreal gibt es das vegane Schnellrestaurant „La Panthère Verte“ gleich in dreifacher Ausführung. Hier gibt es Salate, Sandwiches, Smoothies und zahlreiche süße Waren. Kultig: Die Sandwiches werden alle in Pitas serviert und es gibt unterschiedliche Füllungen, unter anderem Falafel, Veggie Burger, BBQ Tofu und Tempeh.

Und wie sieht es in den ländlicheren Regionen des Landes aus? Für Toyota und Diemer ist gerade das ein wichtiger Punkt ihres Blogs. „Ziel unserer Reisen ist es, die besten veganen Restaurants zu finden – gerade in den kleineren Regionen. In Kanada gibt es in jedem Supermarkt im Grunde genommen dasselbe, egal wo man lebt oder gerade unterwegs ist. Das Angebot ist also ausreichend. Uns geht es daher primär darum, was die Menschen daraus machen. Wir möchten sie ermutigen, sich ausgewogener zu ernähren und ihre Einkaufs- und Kochgewohnheiten umzustellen.“

Wunderbare Westküste

Ein spannendes Ziel – nicht nur aus kulinarischen Gründen – für eine Kanadareise ist die Westküste. Sie ist Hochburg der LOHAS („Lifestyle of Health and Sustainability“) und dementsprechend stoßen Vegetarier hier auf großes Verständnis. Selbst bei den Takeouts gibt es immer auch vegane Varianten, auch was Süßigkeiten und Kuchen betrifft. Ein besonderer Ort ist Tofino in British Columbia, ein winziges, abgelegenes Örtchen an der Westküste Vancouver Islands. Unberührte Natur, Weite und wenig Menschen – wer von den brodelnden Metropolen des Landes genug hat, kann sich hier zurückziehen und wunderbar entspannen. Hier, wo einige der weltweit letzten intakten Regenwälder der gemäßigten Breiten auf den Pazifik sowie kilometerlange, unberührte Sandstrände treffen, ist die Luft, die man einatmet, frisch und klar.

Das Leben in Tofino wird an der Natur ausgerichtet – das gilt auch für die Esskultur. Die Einheimischen und Gastronomen der Ortschaft legen großen Wert auf lokale Produkte. Wer statt der Küste lieber die Natur im Landesinneren vorzieht, sollte sich die Nationalparks in Jasper und Banff in den kanadischen Rocky Mountains anschauen. Fjorde, wunderschöne Seen und riesige Wälder – besondere Naturschauspiele sind hier zu bewundern.

Für Vegetarier und Veganer lohnt sich ein Besuch im vegetarischen Restaurant „Nourish Bistro“. Wer sich selbst versorgen will, sollte einen „Whole Foods Market“ aufsuchen. Bio-Supermärkte sind an Kanadas Westküste keine Seltenheit. Bewusst sein sollte man sich allerdings: Gutes, gesundes Essen kostet etwas in Kanada. Bio-Produkte sind nicht billig. Aber warum sollte man sich nicht einfach auch mal etwas Gutes gönnen und bewusst genießen? Und Ahornsirup als Mitbringsel nicht vergessen.

 

Interview: „Es gibt genügend vegetarische Optionen“

Ella Grigorovici ist in der Reise- und Tourismus-Branche tätig und betreut Kunden an Kanadas Westküste. Im Interview verrät sie, was Vegetarier in Kanada erwartet.

Ella Grigorovici, wie einfach oder schwierig ist es, als Vegetarier in Kanada zu reisen?

Insbesondere in Großstädten wie Toronto oder Vancouver gibt es genügend vegetarische Optionen, sowohl was Lokale als auch Supermärkte anbelangt. Bioläden wie „Whole Foods“ sind ein Schlaraffenland: Hier können sich Reisende nicht nur mit entsprechenden Lebensmitteln, sondern auch mit warmen Gerichten und frischen Salaten zum Mitnehmen eindecken.

Welche Speisen mögen die Kanadier?

Die kanadische Küche ähnelt der amerikanischen, deren Vorliebe für Burger, Pommes Frites – oft auch in der wertvolleren Süßkartoffel-Variante als „Yam Fries“ – und üppigen Süßspeisen wie Pies oder Muffins bekannt ist. Wobei, jede Provinz weist Besonderheiten auf: Québec etwa ist berühmt für seine „Montreal Bagels” und die „Poutine”, das sind mit topfenartigem Käse und Bratensauce übergossene Pommes Frites. Auch hiervon werden inzwischen vegetarische Versionen angeboten. In British Columbia findet sich ein riesiges Angebot an asiatischen Lokalen, was sicherlich auf die hohe Anzahl asiatisch-stämmiger Kanadier zurückzuführen ist.

Gibt es etwas, auf das Sie sich besonders freuen, wenn Sie an der Westküste sind?

Als Erstes stelle ich mich in der Schlange des „Tacofino Trucks” an, wo die feinsten Tacos und Burritos im Stil der BajaCalifornia locken – die gibt es übrigens auch in veganer Ausführung mit schwarzen Bohnen und Guacamole. Zum Nachtisch pilgere ich ins „SoBo“. Ehemals ein Food Truck, ist es heute ein gemütliches Restaurant inmitten von Tofino. Die üppigen Mandel-Brownies und veganen Cookies sind sagenhaft. Der beste Ausblick auf den Strand Chesterman Beach und seine Surfer lässt sich vom „Wickaninnish Inn” aus genießen.

Text und Interview: Christine Eisenbeis

Entnommen aus: VF 01-16

Chicorée-Pasta

Rezept: Chicorée-Pasta

Roter Chicorée, eine Kreuzung aus rotem Radicchio und weißem Chicorée, besitzt einen außergewöhnlich weichen, süßen Geschmack, kann leicht zubereitet und sowohl in Salaten, als auch in pfannengerührten, gekochten und in Ofengerichten verwendet werden.

Rezept: Chicorée-Pasta

Zutaten für 4 Personen:

  • 400 g Penne
  • 2 rote Chicorées (ca. 500 g)
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 EL Olivenöl
  • 2 EL Mandelmus
  • 2 Zweige Rosmarin
  • ½ TL Zitronenschale
  • Meersalz, Pfeffer, frisch gemahlen
  • 40 g Walnusskerne

Zubereitung Chicorée-Pasta:

  1. Penne in reichlich Salzwasser ca. 8 Min. bissfest garen. Abgießen und abtropfen lassen.
  2. Chicorée putzen, waschen, halbieren und Strunk heraus schneiden. Chicorée in Streifen schneiden. Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen, Zwiebel und Chicorée zugeben und anbraten. Mandelmus zugeben, mit 150-200 ml Wasser angießen und verrühren. Pasta zum Gemüse geben und unterheben.
  3. Rosmarin waschen und hacken. Pasta mit Rosmarin, Zitronenschale, Salz und Pfeffer abschmecken. Walnusskerne trocken anrösten, grob hacken und über die Pasta streuen.

Zeit: ca. 25 Min.
Pro Portion: ca. 495 kcal, 17 g EW, 13 g F, 76 g KH

Rezept entnommen aus: VF 06-15

Hirse vegetarisch fit

Hirse: Mehr als nur Vogelfutter

Lange Zeit als Vogelfutter genutzt und verschrien, gewinnt die Hirse in unseren Küchen zunehmend an Bedeutung. Und das nicht ohne Grund: Die glutenfreien Körner stecken voller gesunder Inhaltsstoffe.

Hirse ist eine der ältesten Getreidearten und hat ihren Ursprung in Asien und Nordafrika. So sahen die Chinesen die Hirse bereits 2.500 vor Christus als heilige Pflanze an und fühlten sich durch sie mit der göttlichen Welt verbunden. Und noch heute gehört das Getreide, das zu der Familie der Süßgräser zählt, dort zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Im Mittelalter war die Hirse in Form von Brei auch bei uns der Sattmacher Nummer Eins. Dann allerdings wurde sie von der Kartoffel und anderen Getreidearten verdrängt.

Heute wird Hirse hierzulande vorwiegend als Vogelfutter angebaut. Doch auch in der Vollwerternährung wird Hirse zunehmend wieder als hochwertiges Getreide geschätzt und findet so ihren Platz im Supermarkt-Regal nicht mehr nur in der Tierfutterabteilung. Die Hirsekörner sind klein, rund und besitzen im Gegensatz zu anderen Getreidekörnern keine Längsfurche. Je nach Sorte sind die Körner hellgelb oder goldfarben bis braun. Heute wird Hirse vorwiegend in den USA und Europa angebaut.

Auch in Deutschland wird das Getreide geerntet und kommt dann in die Regale von Bioläden und gutsortierten Supermärkten. Neben der ungeschälten und geschälten Hirse gibt es Hirsemehl, Hirseflocken, Müsli, Hirsebrot und andere Produkte mit Hirse.

Was steckt drin?

Hirse ist eine tolle Zutat für die vegetarische Küche, denn sie ist reich an Eiweiß und Eisen. Damit der Körper das Eisen gut aufnehmen kann, sollte das Getreide mit etwas Vitamin C-reichem – zum Beispiel Paprika der Orangen – kombiniert werden. Darüber hinaus ist Hirse reich an B-Vitaminen, Fluor, Kalzium, Kalium und Magnesium. Das Tolle ist auch, dass die Nährstoffe nicht nur in den Randschichten, sondern auch im Inneren des Korns stecken. So ist geschälte Hirse nicht nur genauso nahrhaft wie ungeschälte, sondern auch besser verträglich. Und Hirse ist sogar ein echtes Beautytalent.

Das darin enthaltene Silizium sorgt für eine schöneHaut sowie gesunde und kräftige Nägel und Haare. Hirsekörner enthalten Phytin, was die Ausnutzung von Mineralstoffen verhindern kann. Der Gehalt kann durch Einweichen für 1 bis 2 Stunden vor dem Kochen verringert werden. Danach sollte man das verwendete Wasserweggießen. Roh sollte man Hirse nicht essen, da sie ein eiweißschädigendes Enzym enthält, was durch das Erhitzen unschädlich gemacht wird. Besonders für Menschen, die an einer Glutenunverträglichkeit leiden, ist Hirse gut geeignet, da sie kein Gluten enthält. Einziger Nachteil: Hirse geht beim Backen nicht so gut auf.

Hirse in der Küche

Der Klassiker ist natürlich Hirsebrei, der aus ganzen Körnern mit Milch oder Wasser ca. 15 Minuten gekocht und mit Zucker, Zimt und Vanille gewürzt wird. Ein Brei zum Frühstück beschert uns mit viel Geschmack und guten Inhaltsstoffen einen gesunden Start in den Tag. Als Snack für Zwischendurch sorgt Hirsebrei für lange Sättigung und einen konstanten Blutzuckerspiegel. Mit Hirseflocken kann man ebenfalls ein schnelles Frühstück zubereiten. Die Flocken werden mit Flüssigkeit kurz aufgekocht, einige Minuten gequollen und können dann mit Obst gegessen werden.

Und auch herzhaft ist Hirse ein Renner: Sie schmeckt gegart als sattmachende Grundlage für Salate, mit vielen Kräutern als Tabouleh oder als Hirsotto kombiniert mit gebratenem Gemüse und abgerundet mit Kreuzkümmel, Curry oder mediterranen Kräutern. Auch als Suppeneinlage in Form von kleinen Nocken, als Bratlinge und Bällchen oder in Aufläufen, Pfannkuchen und Waffeln schmeckt Hirse gut.

Iris Lange-Fricke

 

Zum Ausprobieren:

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Hirse-Obst-Brei

Zutaten für 2 Personen:

  • 80 g Hirse
  • 1 Prise Vanillepulver
  • 2 EL Agavendicksaft
  • 30 g getrocknete Pflaumen
  • 30 g getrocknete Aprikosen
  • 1 TL Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Hirse mit Vanillepulver vermischen. Die 2,5-fache Menge Wasser zum Kochen bringen. Hirse und Agavendicksaft unterrühren und etwa 15 Min. kochen und dann anschließend zugedeckt quellen lassen.
  2. Trockenobst in Stücke schneiden. Hirse mit einer Gabel auflockern und mit dem Obst und dem Zitronensaft vermengen und als Frühstück servieren.

Tipp: Hier passt Sojajoghurt oder Mandelmilch dazu.

Zeit: ca. 20 Min.

Pro Portion: ca. 260 kcal, 5 g EW, 2 g F, 53 g KH

 

Rezept entnommen aus: VF 04-15